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Foto der Woche


15.11.2019: Eine Sportlegende des Heider SV – Werner Reitmann starb mit 98


Werner Reitmann, ältestes und längstes Mitglied des Heider SV, ist im Alter von 98 Jahren in einem Pflegeheim bei Heide am 24.10.2019 gestorben. Hauptgrund für Reitmanns langes Leben in erstaunlich guter Gesundheit ist mit Sicherheit seine „sportliche Note“.

 

Vielleicht ist es eine Art Weltrekord, was Werner Reitmann als aktiver Sportler und Sporttrainer geleistet hat.

 

Denn: Mit sage und schreibe 85 Jahren hatte er bis 2006 noch als Leiter der Trimm-Gruppe des Heider SV gewirkt.

 

Und er nimmt unter den sehr aktiven gewesenen Sportlern Dithmarschens und Schleswig-Holsteins noch eine ganz besondere Rolle ein, weil er auch viele Jahrzehnte zu den leitenden Funktionären, also zu den „Sich-Kümmernden“ gehörte.

 

Zum Beispiel war er Jugend- und Frauenwart des Schleswig-Holsteinischen Leichtathletik-Verbandes, 35 Jahre lang 2. Vorsitzender des Kreissportverbandes Dithmarschen, 15 Jahre 1. Vorsitzender des Kreis-Leichtathletikverbandes und 30 Jahre Leiter der Trimm-Gruppe des Heider SV. Für seine Verdienste um den Sport erhielt er viele Ehrungen, zum Beispiel die Goldene Ehrennadel des Leichtathletikverbandes von Deutschland und von Schleswig-Holstein (DLV und SHLV). Er wurde auch Ehrenvorsitzender in den Verbänden.

 

Toller Dreisprung-Meister

 

Werner Reitmann wurde 1921 in Wernigerode/Harz geboren. Er besuchte die Realschule. Im Fach „Turnen und allgemeiner Sport“ hatte er "sehr gut" stehen. Er war der Beste über 100 und 200 m und im Weitsprung. Im Dreisprung wurde er mit 17 Jahren mit tollen 14,82 m Meister von Mitteldeutschland. Schon als er 13 war, hatte ihm sein Vater mit Spikes, die damals noch selten waren, „auf die Sprünge geholfen“. Für die damalige Zeit war das ein „echtes finanzielles Opfer“.

 

Im Landratsamt Wernigerode absolvierte er erfolgreich die Verwaltungslehre, doch der Krieg beendete das friedliche Harz-Leben. 1940 wurde er zur Marine in Kiel eingezogen.

 

Bei der Marine in Kiel

 

Er kam dort glücklicherweise in eine Kompanie, deren Chef sehr für den Sport eingenommen war und der mehrere Deutsche Meister verschiedener Sportarten um sich versammelt hatte. So war auch hier eine Fortsetzung der sportlichen Ambitionen möglich als Marine-Mitglied im Kieler Männer-Turnverein. Trotz des Krieges konnte an vielen Leichtathletik-Veranstaltungen im Lande teilgenommen werden, u. a. in einer sehr erfolgreichen 4 x 100 m-Staffel, die unter 40 Sekunden lief!

 

Seinen Kriegsdienst verrichtete er auf einem Minenlegerschiff (als Maat). Das Kriegsende erlebte Werner Reitmann (als Marinesoldat in St. Peter -Ording) und geriet in englischer Gefangenschaft. Da die zunächst von der US-Armee eroberte Region um Wernigerode bald nach Kriegsende der russischen Armee übergeben worden war, ließ sich Werner Reitmann nicht in seinen Geburtsort entlassen, sondern blieb in Schleswig-Holstein.

 

Zum Arbeitsamt Heide

 

1945/46 verdiente er – allein auf sich gestellt – seinen Lebensunterhalt durch Torfstechen im Raum Fischerhütte, verbunden mit der wichtigen Zuteilung der Schwerstarbeiter-Lebensmittelkarte. Beim Tanz in der Dorfschenke Offenbüttel lernte er am 1. Mai 1946 seine spätere Ehefrau kennen, die als geborene Wienerin durch die Kriegswirren auf der Flucht aus Ostpreußen ebenfalls nach Schleswig-Holstein verschlagen worden war. Und im August 1948 wurde geheiratet.

 

Der Eintritt in seinem erlernten Beruf gelang Werner Reitmann im Mai 1947 durch seine Anstellung beim Arbeitsamt Heide. Dort entwickelte er sich zu einem exzellenten Verwaltungsfachmann und blieb diesem Amt bis zu seiner Pensionierung 1983 treu.

 

Der Sport ließ ihn nie los. Ab 1947 war er als Handballer und Leichtathlet im Heider SV tätig. Schon 1950 wurde er Leichtathletik-Trainer.

 

Trimm Gruppe noch mit 85

 

1976 rief er eine Trimm-Gruppe ins Leben, die vielen Männern außerhalb des absoluten Leistungssportes eine beliebte sportliche Bestätigung in der Halle verschaffte – mit Fußball, Handball, Korbball, Volleyball usw. 30 Jahre lang betreute Werner Reitmann diese Gruppe, die zu einer verschworenen Gemeinschaft wurde. Und als er 2006 mit 85 Jahren in den Ruhestand als Sporttrainer ging, find er das Malen an. Seitdem malte er Aquarelle. Die Trimm-Gruppe leitet jetzt Volker Voigt.

 

Wir behalten Werner Reitmann in guter Erinnerung.

 

(Text: O. Rumpf, Fotos (Bearbeitung): D. Makuszies)

 

 

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